Sophie Scholl

Dokumente der letzten Tage in ihrem Leben

Sophie Scholl ist die Ikone des gewaltfreien Widerstands gegen die Dritte Reich und Synonym für die Weiße Rose. Dass ihre mutigen Aktivitäten keinerlei ernsthafte Erfolgsaussichten hatten, das NS-Regime zu beseitigen, tut der Wertschätzung keinen Abbruch.


VON PETER KOBLANK (2007)


Sophie Scholl

V.l.n.r.: Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst 1942 in München. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum

Sophia Magdalena Scholl (* 9. Mai 1921 in Forchtenberg; † 22. Februar 1943 in München-Stadelheim), kurz: Sophie Scholl, studierte ab 1942 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Biologie und Philosophie.

Ihr Bruder, der Medizinstudent Hans Scholl kämpfte seit Juni 1942 zusammen mit anderen Kommilitonen unter dem Namen Weiße Rose mit Flugblättern gegen das Dritte Reich. Im Januar 1943 war Sophie Scholl erstmals an der Herstellung und Verbreitung eines Flugblattes beteiligt.

Die Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe verschickten ihre Aufrufe vorzugsweise mit der Post. An öffentlichen Plätzen malten sie regimefeindliche Parolen. Die unter anderem auch Wien, Salzburg, Linz, Augsburg und Stuttgart verbreiteten Flugschriften veranlassten die Gestapo zu einer intensiven Fahndung nach den Urhebern.

Sophie SchollSophie SchollSophie Scholl - Zum Vergrößern klicken

Rechts: Foto der Gestapo am 20.2.1943 in München

Mitte Februar wurde das sechste und letzte Flugblatt in einer Auflage von 3000 Exemplaren fertiggestellt und mit dem Aufruf versandt, das NS-Regime zu stürzen und ein "neues geistiges Europa" zu errichten.

Am 18. Februar 1943 wurde Sophie Scholl, als sie zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Universität rund 1.700 dieser Flugblätter verteilte, vom Hausmeister Jakob Schmid gegen 11 Uhr entdeckt und widerstandslos festgenommen.

Film

"Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund (2005)

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 Sonderbriefmarke
 Geschwister Scholl
 DDR, 1961, 0,25+0,10 M

Im Wittelsbacher Palais, der Gestapo-Leitstelle in München, wurde Sophie Scholl durch Kriminalobersekretär Robert Mohr verhört. Das Vernehmungsprotokoll gelangte nach dem 2. Weltkrieg über die Sowjetunion in die DDR und wurde erst 1990 für die Geschichts-forschung zugänglich. Dieses Protokoll war Grundlage für den Spielfilm "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund.

Am 22. Februar 1943 begann um 10 Uhr die Verhandlung des Volksgerichtshofs unter Vorsitz von Dr. Roland Freisler im Schwurgerichtssaal des Münchner Justizpalastes. Die Anklage lautete "landesverräterische Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung". Sophie Scholl bekannte sich zu den Flugblattaktionen: "Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele, nur wagen sie nicht, es auszusprechen."

Um 13.30 Uhr verkündete Freisler das Todesurteil gegen Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst.

Gegen 17 Uhr wurde Sophie Scholl im Strafgefängnis München-Stadelheim gemeinsam mit Hans Scholl und Christoph Probst von Scharfrichter Johann Reichart mit einer Fallschwertmaschine (Guillotine) enthauptet.


Das letzte Flugblatt der Weißen Rose
Vernehmungsprotokoll der Sophie Scholl
Sie erkannte sofort, worauf ich hinauswollte
Todesurteil der Sophie Scholl
So ein herrlicher sonniger Tag, und ich muss gehen
Vergleich Lubbe - Elser - Schulze-Boysen - Scholl - Stauffenberg
Unsere Besten - Wer ist der größte Deutsche?
Briefmarken zum Deutschen Widerstand


Lesenswert zum Thema Weiße Rose:

Sönke Zankel, Die Weisse Rose war nur der Anfang, Köln 2006

Der Autor hat fünf Jahre lang an seiner Dissertation über die Weiße Rose gearbeitet. Dafür hat er bisher unbekannte Quellen herangezogen, darunter den Nachlass von Inge Aicher-Scholl und den Nachlass eines britischen Journalisten, der 25 Jahre lang über die Weiße Rose geforscht, aber nie etwas veröffentlicht hat. Zankel hat darüber hinaus mit rund 70 Zeitzeugen gesprochen.
Er entwickelt ein Bild des Widerstandskreises, das ohne den Schleier des Legendären auskommt und die großen Leistungen sowie die menschlichen Schwächen der Studenten gleichermaßen bestehen lässt.

Die Weisse Rose war nur der Anfang

Dieser Artikel ist Teil der Online-Edition Mythos Elser.